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10.04.03
Der Schwimmspezialist will auf dem Trockenen noch Land gewinnen

Jan Sibbersen, Triathlet mit Wahlheimat Darmstadt, strebt beim Ironman Germany eine Platzierung unter den Top Ten an


Von Reinhard Sogl (Mallorca)

Nicht jeder Schlag ins Wasser ist ein veritabler Missgriff. Aber Verbesserungspotenzial gibt es allemal. Also kniet Jan Sibbersen am Rand des Pools im Club Pollentia auf Mallorca, streckt seinen linken Arm nach vorn-oben, dreht die Hand nach außen und beschreibt ein "S".

Die Demonstration des perfekten Armzugs durch den 27 Jahre alten Triathleten mit Wahlheimat Darmstadt zeitigt schnellen Erfolg. "Ich habe einiges gelernt", sagt Manuel Reuter nach dem Crash-Kurs in Sachen Kraul-Technik. Der zweimalige Le-Mans-Sieger und Opel-Werksfahrer bei der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft schwimmt, fährt Rad, läuft regelmäßig zur Regeneration und ist fasziniert vom Dreikampf der Eisenmänner. Für die Zeit nach seiner Karriere als Rennfahrer hat sich Manuel Reuter den Start beim Ironman zum Ziel gesetzt. "Hawaii ist ein innerer Drang."
Diesem Bedürfnis, in Kuna an die eigenen Grenzen zu gehen, ist Jan Sibbersen schon zweimal gefolgt. Zudem war der gebürtige Coburger beim Ironman Germany 2002 in Frankfurt in seinem Element, als er nach 44:54 Minuten und damit in der zweitbesten je bei einem Langdistanztriathlon geschwommenen Zeit nach den 3,86 Kilometern aus dem Langener Waldsee stieg. In der ersten Teildisziplin kann dem ehemaligen 400- und 1500-Meter-Schwimmer und Olympiakandidaten 1996 und 2000 derzeit kein anderer Triathlet der Welt das Wasser reichen.

Beim Opel Ironman Germany am 13. Juli in Frankfurt hofft Jan Sibbersen nun, auf dem Land Boden gutzumachen gegen die Weltspitze, die ihn im Vorjahr bei Kilometer 100 auf der Radstrecke stellte. Für dieses Jahr hat sich das sportliche Multitalent, bei der Ironman-Premiere in Frankfurt als Zwölfter auf dem Römerberg angekommen, trotz des deutlich stärker gewordenen Starterfeldes eine Top-Ten-Platzierung zum Ziel gesetzt. Nach 8:30 bis 8:45 Stunden will Sibbersen den Härtetest bestanden haben, nachdem er im August noch vier Minuten über der Neun-Stunden-Marke geblieben war. Die Siegerzeit des Darmstädters Lothar Leder, der aus Verpflichtung seinen Sponsoren gegenüber in diesem Jahr dem Triathlon in Roth den Vorzug vor dem in Frankfurt geben muss, betrug 8:21,31 Stunden.

Auch Vollprofi Lothar Leder profitiert bisweilen von den Tipps des ehemaligen deutschen Spitzenschwimmers Sibbersen. Wie im Gegenzug der Wasser-Mann dank des Rates von Leder auf dem Trockenen mehr und mehr Land zu gewinnen hofft. "Wir tauschen uns gegenseitig aus", beschreibt Sibbersen das kollegiale Verhältnis zu dem Darmstädter Dauer(b)renner. Nicht zuletzt, weil er mit Leder gemeinsame Einheiten absolvieren kann und in Darmstadt überhaupt "ideale Trainingsbedingungen" vorfindet, hat sich Jan Sibbersen in Mühltal-Traisa niedergelassen. Für ihn das optimale Basislager, um in seinem extravaganten Beruf vorwärts zu kommen.

"Wenn ich was mache, dann mache ich es richtig", lautet Jan Sibbersens Credo. Weshalb der Wertpapierhändler bei einer großen US-amerikanischen Investmentbank in Frankfurt vor einem Jahr sein Depot im Messeturm aufgab, um fortan auf die Ich-AG zu setzen. "60 bis 70 Stunden in der Woche zu arbeiten und dann noch morgens und abends Training, war hart am Limit und nicht länger durchzuhalten", sagt Sibbersen. Im Gegensatz zu der Lage an der Börse sind die Aktien des Harvard-Absolventen auf dem Boom-Markt Ironman seither gestiegen. Obwohl erst seit zwei Jahren einer der Eisenmänner, hat Jan Sibbersen sich gerade wegen seiner außerordentlichen Schwimm-Fähigkeiten bereits einen guten Namen in der Szene verschafft.

Um auch weiter als "Outperformer" zu gelten, will Sibbersen seine Renntaktik ändern. Gruppendynamik statt Flucht nach vorn. Statt wie bisher die Führung nach dem Schwimmen möglichst lang zu verteidigen, um dann doch von den Kilometerfressern der Landstraße geschluckt zu werden, wolle er sich künftig früher einreihen ins Feld, um Kraft zu sparen. In der Gruppe rollt sich's leichter, auch wenn Windschattenfahren verboten ist. Sibbersen hofft, auf diese Weise einen längeren Atem zu behalten für seine Problemdisziplin Laufen.

Auf der Marathondistanz kann er nicht auf die Hilfe von Lothar Leder setzen, selbst wenn der Titelverteidiger in Frankfurt starten würde: "Der ist beim Laufen einfach noch zu schnell." Aber vielleicht weiß ja der 24-Stunden-Sieger Manuel Reuter, wie man erfolgreich über die Runden kommt.

Copyright © Frankfurter Rundschau 2003
Erscheinungsdatum 08.04.2003