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19.10.02
IRONMAN Hawaii: Mein Rennbericht

4:15am - Ich werde von tosenden Wellen geweckt, an einen Schwimmrekord bei solchen Bedingungen ist nicht zu denken. Aber die hohen Wellen haben auch einen Vorteil, proportional kann ich heute beim Schwimmen mehr Vorsprung herausholen als bei "Badewannen-Bedingungen". Ein kurzes Fruehstueck (Babynahrung "ab dem 8. Monat" mit Rosinen, Bananen und ein paar Haferflocken sind meine Favoriten) und dann geht es in Richtung Pier.

5:00am - Bodymarking & final check-in. Ich treffe Lothar, wir tauschen noch ein paar Worte aus und dann geht's zum letzten Radcheck. Durch den starken Regen in der Nacht sind alle Raeder buchstaeblich noch einmal richtig gewaschen worden, ich packe noch meine Verpflegung drauf und merke mir genau die Reihe, in welcher mein Rad steht.

6:00am - Die letzten Vorbereitungen laufen, ein bisschen Gymnastik, Sonnencreme, Vaseline und dann geht's kurz nach 6:30 ins Wasser zum Einschwimmen. Um 6:55am kommt dir rote Flagge raus, jetzt wird es spannend. Konzentration, es kann jede Sekunde los gehen. Wenig spaeter kommt der Kanonenschlag und ich gebe kurz Vollgas zum Beginn des Ironman Hawaii 2002.

Das Schwimmen:

Meine Anfangstaktik geht voll auf, ich halte mich links von der Fuehrungsgruppe und komme gut durch die Profis hindurch. Schon nach gut 500 Metern habe ich freie Bahn, niemanden an meinen Fuessen und peile die Ideallinie an. Das ist leichter gesagt als getan bei seitlichen Wellen von bis zu 2 Meter Hoehe. Selbst die Kajakfahrer vor mir haben Probleme Kurs zu halten. Aber ich finde einen guten Rhythmus und komme nach 24 Minuten zum Wendeboot. Ein kurzer Blick zurueck genuegt um stressfrei den Heimweg angehen zu koennen, kein Verfolger weit und breit. Ich konzentriere mich auf meine Technik, halte den Puls bei 165 Schlaegen/min und komme dem Pier wieder naeher. Beim Ausstieg sehe ich sofort die Zeit von 48:10min - bei derartigen Bedingungen bin ich damit mehr als zufrieden - und der Vorsprung nach hinten stimmt auch.

Auf dem Rad:

Waehrend der ersten halben Stunde regnet es in Stroemen. Das Fuehrungsfahrzeug, ein VW Kaefer Cabrio , faehrt mit offenem Verdeck ca. 200m vor mir. Nach 20 Minuten schliessen die Jungs ihr Dach, sie wollen wohl im Hallenbad statt im Freibad weiterfahren. Erstmals hoere ich das mein Vorsprung ca. 2 min betraegt. Allein eine Minute habe ich schon in der Wechselzone verloren, da mein Rad ganz am Ende des Piers stand. Aber es laeuft super, die Jungs von der ARD kommen vorbei und wir machen ein kleines Interview. Bei km 50 auf dem Rad und nach einer Gesamtrennzeit von 2:03 Stunden ist mein Platz an der Sonne verloren (immerhin eine Stunde laenger als im letzten Jahr), Juergen Zaeck, Chris McCormack und Thomas Hellriegel fahren vorbei. Ich komme noch etwa 10 min mit, dann merke ich, dass das Tempo einfach zu hoch ist und fahre mein eigenes Rennen weiter. Ich komme als 36. vom Rad mit einer Zeit von 4:57 Stunden, nur eine viertel Stunde hinter der Fuehrungsgruppe.

Zu Fuss:

Nachdem ich seit dem Ironman Germany keine 10km im Training gelaufen bin, habe ich keine Erwartungen fuer den 3. Teil dieses moerderischen Rennens. Es ist extrem schwuel, kaum Wind, vollkommen andere Bedingungen als im letzten Jahr. Ich laufe den Marathon schmerzfrei durch, darueber freue ich mich am meisten. Zum Schluss bleiben die Uhren fuer mich bei 9 Stunden 46 Minuten und ein paar Sekunden stehen - Platz 131. Letztes Jahr 232. und 10:29 Stunden. Wenns nur so weiter gehen wuerde...